20.07.2004 Part 2
Nachdem wir aus dem Internetcafe weg waren, sind wir einfach der Straße nach Westen gefolgt, des öfteren auch lange Strecken am Kanal lang. Zwanzig Kilometer später waren wir irgendwo zwischen Lydd und Camber, wo sich ein Strand, der hauptsächlich aus Kies bestand, anbot erforscht zu werden. Ein paar misglückte Versuche, eine vom Strand ins Meer zurücklaufende Pfütze eben daran zu hindern, ein paar Fotos und ein Telefonat später waren wir wieder auf der Strasse.
Da Ich bisher immer noch kein britisches Bargeld hatte, war Priorität Nummer eins inzwischen ein Besuch bei einer Bank oder das Finden einer ATM (Geldautomat) geworden. Ein paar Orte weiter in Hastings wurden wir in einer gut zugeparkten Seitenstraße endlich fündig. Sogar ein Parkplatz war netterweise frei - direkt vor'm Geldautomaten. Das kam mir fast verdächtig vor. Bestimmt würde der Geldauotmat gleich unsere Karten fressen oder explodieren oder sonst irgendwas hinterhältiges. Zu unserem erstaunen funktionierte jedoch alles wie gewohnt - sogar auf deutsch ließ sich der Automat umstellen.
Da wir schon länger nichts ordentliches mehr gegessen hatten, kam uns der Inder (siehe Foto) 50 Meter weiter die Straße runter sehr gelegen. Wir bereiteten uns seelisch schon mal auf eine Verbrennung unserer Geschmacksknospen die für Schärfe zuständig sind vor.
Jedoch geschah nichts dergleichen. Da wir natürlich keine Ahnung hatten, was auf der Speisekarte des Inders was war (Im Sinne von "gefährlich oder nicht"), haben wir uns vom Kellner ein wenig beraten lassen. Alles sehr interessant, bis auf, dass wir danach quasi so schlau wie vorher waren. Also haben wir es ihm überlassen, uns beiden jeweils etwas "medium"-scharfes mit Huhn und Reis zu organisieren. Nach ein paar Minuten kamen erstmal unsere Colas, die wir vorher auch bestellt hatten (Da wussten wir ja zum Glück, was uns erwarten würde), und gleich danach ein kleines Tablett mit vier Soßen und dazu ... wir werden es vielleicht eines Tages von Fraz erfahren, was das war. Es hatte in etwa die Konsistenz von doppellagigem Esspapier, war gelblich und leicht salzig. Das benutzte man anscheinend um die Soßen zu essen, wie wir durch einen gekonnten Seitenblick auf den Tisch nebenan feststellen konnten.
Also machten wir in bester LucasArts-Adventure-Manier "Benutze Fladenzeugs mit Sosse". Meiner Meinung nach waren die Zwiebeln und die gelbliche Sosse die irgendwie sowohl nach Curry als auch nach Apfel geschmeckt hat, am besten. Die Knoblauchsoße war auch ok. Widerlich jedoch war etwas, was wie mit Öl übergossenes Katzenfutter aussah. Und irgendwie auch so geschmeckt hat, nehme ich an - ich hab leider noch nie Katzenfutter mit Ö gegessen. Danach gab's unseren Hauptgang: Gebratenen Reis mit Hühnerfleischkrüeln drin, dazu zwei kleine Kübel mit verschiedenen Currys drin und eine Art Fladenbrot.
War alles sehr lecker, aber komischerweise überhaupt nicht scharf. Wahrscheinlich hat der Kellner dem Koch etwas überdeutchlich kommuniziert, dass wir gesagt haben, wir hätten's gerne nicht ganz so scharf.
Gut gefüllt setzten wir nun unsere Reise fort.
Inzwischen war es Zeit, sich einen Schlafplatz zu suchen. Unsere Karte sagte, es gäbe zwei südlich von Pevensey, jedoch konnten wir keinen von beiden wirklich finden. Also fuhren wir "auf Sicht", also einfach geradeaus und den Schildern nach, in die generelle Richtung Westen, Ausschau haltend nach Campingplatz-Schildern. Diverse Städte später wurde es uns zu viel und wir so gegen 22 Uhr an einer Tankstelle gefragt, wo man denn hier in der Nähe mal nächtigen könnte. Angeblich sollten "an dem Kreisel hier gleich links und dann die Straße runter" zwei Inns sein. Eins davon hatten wir nach einer Viertelstunde sogar gefunden, aber da es recht modern, 4 WLAN-Hotspots direkt vor der Tür, TV & Dusche direkt im Zimmer und auch "Tea Making Facilities" hatte, war es natürlich ausgleichende Gerechtigtkeit, dass es für heute Nacht leider ausgebucht war.
Grrr. Die Straße runter (das kennen wir doch irgendwoher...) sollte gleich noch ein Inn sein, welches wir jedoch auch nach dreifachem Abfahren der Straße nicht finden konnten. (Stattdessen jedoch einen etwas komisch aussehenden Lieferwagen (siehe Foto).) Also sind wir letzten Endes einfach so lange weiter gefahren, bis wir irgendwo ein Bed & Breakfast-Schild gesehen haben. Ging leider nicht so schnell. Es war inzwischen stockfinster und wir fuhren Steigungen und Gefälle von bis zu 20% rauf und runter, einzige Orientierungshilfe war... eigentlich hatten wir garkeine. Abgesehen von dem unscheinbaren 50ccm-Roller, der uns in der Mitte der Straße, in der wir dank Gegenverkehr schon Angst um unsere Außenspiegel hatten, furchtlos auf der mittleren Fahrbahnmarkierung zwischen den Spuren überholte. Und wir fuhren schon 60! Die Dinger sollten eigentlich gerade mal 50 km/h fahren dürfen. Das war eine Verfolgung wert. Das stellte sich als schwerer heraus, als wir gedacht hätten, da der Roller mühelos einen Berg mit 80 km/h raufgefahren ist, an dem wir schon in den zweiten Gang zurückschalten mussten. Dabei haben wir 1400ccm mehr Hubraum! Nach 5 Minuten fahrt hatten wir ihn endlich an einer Ampel eingeholt und konnten ihn fragen, was er dem Ding angetan habe. Er meinte nur "I souped it up a bit!" - A bit war das wohl kaum, aber krank schon. ;-)
So setzten wir unsere Suche nach einem Schlafplatz fort, quer durch die Südenglische Wallachei. Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts ein Jugendherbergen-Schild auf, das nach rechts zeigte. Also hart gebremst und rechts rein gefahren. Nur leider war da nichts. Direkt am Straßenrand war eine kleine Holzpforte auf der "YHA" (Youth Hostel Aociation - sowas wie das Deutsche Jugendherbergswerk) stand. Aber da war weder Licht noch irgendwas. Dafür aber ein Baustellenschild. Irgendwas lief hier falsch. Zurück auf die Straße und weiter. Jetzt hatten die Berge langsam Achterbahncharakter. Und zu regnen fing es dann auch noch an.
Nach einer halben Ewigkeit kamen wir nach Seaford, wo auch gleich auf der Hauptstraße ein voll belegtes und dann ein noch freies B&B kam. Geparkt, geklingelt, geredet (mit einem - wie hier üblich - sehr freundlichem älteren Herren) und schon hatten wir einen genialen Raum mit Himmelbett (saumäßig bequem), Bad, Fernseher und "Tea Making Facilities".
21.07.2004
Bah, aufstehen...
Muss das jeden Morgen sein? Das ist so unangenehm.
Egal, was muss, das muss. Zum Frühstück gab's gebratenen Schinken, gebackene Bohnen, Spiegelei und Toast (und Cornflakes standen auch irgendwo rum). Dazu Orangensaft & schwarzen Tee. Lecker, lecker. Da wir, wie der nette Mann uns erzählte, die ersten Gäste seit 6 Wochen waren, konnten wir uns mit dem Abfahren Zeit lassen. Er hat uns noch ein bisschen erzählt, wo wir so hinfahren könnten und so. Haben wir dann aber nichts von gemacht sondern sind einfach Richtung Westen losgefahren, da wir sowieso noch zwei Freunde in Southampton treffen wollten (ob das was wird, steht jetzt zum Zeitpunkt des Schreibens noch nicht fest). Also einfach drauf los. Unterwegs haben wir erstmal für 80.9p/l (~1,29€) getankt. Noch weiter unterwegs haben wir uns einen alten römischen Palast (bzw. das, was davon übrig war) angeguckt.
Nun sind wir in Southampton und suchen den oder die Häfen.
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Da Ich bisher immer noch kein britisches Bargeld hatte, war Priorität Nummer eins inzwischen ein Besuch bei einer Bank oder das Finden einer ATM (Geldautomat) geworden. Ein paar Orte weiter in Hastings wurden wir in einer gut zugeparkten Seitenstraße endlich fündig. Sogar ein Parkplatz war netterweise frei - direkt vor'm Geldautomaten. Das kam mir fast verdächtig vor. Bestimmt würde der Geldauotmat gleich unsere Karten fressen oder explodieren oder sonst irgendwas hinterhältiges. Zu unserem erstaunen funktionierte jedoch alles wie gewohnt - sogar auf deutsch ließ sich der Automat umstellen.
Da wir schon länger nichts ordentliches mehr gegessen hatten, kam uns der Inder (siehe Foto) 50 Meter weiter die Straße runter sehr gelegen. Wir bereiteten uns seelisch schon mal auf eine Verbrennung unserer Geschmacksknospen die für Schärfe zuständig sind vor.
Jedoch geschah nichts dergleichen. Da wir natürlich keine Ahnung hatten, was auf der Speisekarte des Inders was war (Im Sinne von "gefährlich oder nicht"), haben wir uns vom Kellner ein wenig beraten lassen. Alles sehr interessant, bis auf, dass wir danach quasi so schlau wie vorher waren. Also haben wir es ihm überlassen, uns beiden jeweils etwas "medium"-scharfes mit Huhn und Reis zu organisieren. Nach ein paar Minuten kamen erstmal unsere Colas, die wir vorher auch bestellt hatten (Da wussten wir ja zum Glück, was uns erwarten würde), und gleich danach ein kleines Tablett mit vier Soßen und dazu ... wir werden es vielleicht eines Tages von Fraz erfahren, was das war. Es hatte in etwa die Konsistenz von doppellagigem Esspapier, war gelblich und leicht salzig. Das benutzte man anscheinend um die Soßen zu essen, wie wir durch einen gekonnten Seitenblick auf den Tisch nebenan feststellen konnten.
Also machten wir in bester LucasArts-Adventure-Manier "Benutze Fladenzeugs mit Sosse". Meiner Meinung nach waren die Zwiebeln und die gelbliche Sosse die irgendwie sowohl nach Curry als auch nach Apfel geschmeckt hat, am besten. Die Knoblauchsoße war auch ok. Widerlich jedoch war etwas, was wie mit Öl übergossenes Katzenfutter aussah. Und irgendwie auch so geschmeckt hat, nehme ich an - ich hab leider noch nie Katzenfutter mit Ö gegessen. Danach gab's unseren Hauptgang: Gebratenen Reis mit Hühnerfleischkrüeln drin, dazu zwei kleine Kübel mit verschiedenen Currys drin und eine Art Fladenbrot.
War alles sehr lecker, aber komischerweise überhaupt nicht scharf. Wahrscheinlich hat der Kellner dem Koch etwas überdeutchlich kommuniziert, dass wir gesagt haben, wir hätten's gerne nicht ganz so scharf.
Gut gefüllt setzten wir nun unsere Reise fort.
Inzwischen war es Zeit, sich einen Schlafplatz zu suchen. Unsere Karte sagte, es gäbe zwei südlich von Pevensey, jedoch konnten wir keinen von beiden wirklich finden. Also fuhren wir "auf Sicht", also einfach geradeaus und den Schildern nach, in die generelle Richtung Westen, Ausschau haltend nach Campingplatz-Schildern. Diverse Städte später wurde es uns zu viel und wir so gegen 22 Uhr an einer Tankstelle gefragt, wo man denn hier in der Nähe mal nächtigen könnte. Angeblich sollten "an dem Kreisel hier gleich links und dann die Straße runter" zwei Inns sein. Eins davon hatten wir nach einer Viertelstunde sogar gefunden, aber da es recht modern, 4 WLAN-Hotspots direkt vor der Tür, TV & Dusche direkt im Zimmer und auch "Tea Making Facilities" hatte, war es natürlich ausgleichende Gerechtigtkeit, dass es für heute Nacht leider ausgebucht war.
Grrr. Die Straße runter (das kennen wir doch irgendwoher...) sollte gleich noch ein Inn sein, welches wir jedoch auch nach dreifachem Abfahren der Straße nicht finden konnten. (Stattdessen jedoch einen etwas komisch aussehenden Lieferwagen (siehe Foto).) Also sind wir letzten Endes einfach so lange weiter gefahren, bis wir irgendwo ein Bed & Breakfast-Schild gesehen haben. Ging leider nicht so schnell. Es war inzwischen stockfinster und wir fuhren Steigungen und Gefälle von bis zu 20% rauf und runter, einzige Orientierungshilfe war... eigentlich hatten wir garkeine. Abgesehen von dem unscheinbaren 50ccm-Roller, der uns in der Mitte der Straße, in der wir dank Gegenverkehr schon Angst um unsere Außenspiegel hatten, furchtlos auf der mittleren Fahrbahnmarkierung zwischen den Spuren überholte. Und wir fuhren schon 60! Die Dinger sollten eigentlich gerade mal 50 km/h fahren dürfen. Das war eine Verfolgung wert. Das stellte sich als schwerer heraus, als wir gedacht hätten, da der Roller mühelos einen Berg mit 80 km/h raufgefahren ist, an dem wir schon in den zweiten Gang zurückschalten mussten. Dabei haben wir 1400ccm mehr Hubraum! Nach 5 Minuten fahrt hatten wir ihn endlich an einer Ampel eingeholt und konnten ihn fragen, was er dem Ding angetan habe. Er meinte nur "I souped it up a bit!" - A bit war das wohl kaum, aber krank schon. ;-)
So setzten wir unsere Suche nach einem Schlafplatz fort, quer durch die Südenglische Wallachei. Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts ein Jugendherbergen-Schild auf, das nach rechts zeigte. Also hart gebremst und rechts rein gefahren. Nur leider war da nichts. Direkt am Straßenrand war eine kleine Holzpforte auf der "YHA" (Youth Hostel Aociation - sowas wie das Deutsche Jugendherbergswerk) stand. Aber da war weder Licht noch irgendwas. Dafür aber ein Baustellenschild. Irgendwas lief hier falsch. Zurück auf die Straße und weiter. Jetzt hatten die Berge langsam Achterbahncharakter. Und zu regnen fing es dann auch noch an.
Nach einer halben Ewigkeit kamen wir nach Seaford, wo auch gleich auf der Hauptstraße ein voll belegtes und dann ein noch freies B&B kam. Geparkt, geklingelt, geredet (mit einem - wie hier üblich - sehr freundlichem älteren Herren) und schon hatten wir einen genialen Raum mit Himmelbett (saumäßig bequem), Bad, Fernseher und "Tea Making Facilities".
21.07.2004
Bah, aufstehen...
Muss das jeden Morgen sein? Das ist so unangenehm.
Egal, was muss, das muss. Zum Frühstück gab's gebratenen Schinken, gebackene Bohnen, Spiegelei und Toast (und Cornflakes standen auch irgendwo rum). Dazu Orangensaft & schwarzen Tee. Lecker, lecker. Da wir, wie der nette Mann uns erzählte, die ersten Gäste seit 6 Wochen waren, konnten wir uns mit dem Abfahren Zeit lassen. Er hat uns noch ein bisschen erzählt, wo wir so hinfahren könnten und so. Haben wir dann aber nichts von gemacht sondern sind einfach Richtung Westen losgefahren, da wir sowieso noch zwei Freunde in Southampton treffen wollten (ob das was wird, steht jetzt zum Zeitpunkt des Schreibens noch nicht fest). Also einfach drauf los. Unterwegs haben wir erstmal für 80.9p/l (~1,29€) getankt. Noch weiter unterwegs haben wir uns einen alten römischen Palast (bzw. das, was davon übrig war) angeguckt.
Nun sind wir in Southampton und suchen den oder die Häfen.
Kommentare:
royalpimp am 21.07. um 19:47
Wer hatte denn da soviel Zeit und Lust solch einen Roman zu verfassen? Ich wäre zu faul. [...] Eieiei. Noch zwei Tage und dann bin ich hier auch verschwunden. Hoffentlich wird es meinem Koffer nicht auch so ergehen.
iZo am 22.07. um 03:31
Ich schliesse mich dem royalpimp an :p Ich war ja schon fast zu faul es zu lesen.
Ronin am 22.07. um 10:01
Die Wegbeschreibung unter dem Photo vom Inder hat ja fast Harry-Potter-Charakter... abgesehen von unauffindbaren Schlafgelegenheiten scheints euch da drueben ja ganz gut zu gehen. Immer weiter so!
8tImER am 23.07. um 02:06
Ich bin Schuld an den Ausmaßen des Textes, hrhrhr...